Richtig Feuer machen

 

Was braucht man für ein "richtiges" Feuer?

Zunächst einmal einen geeigneten Platz und Brennmaterial.

Das wichtigste Material zum Anfeuern ist der Zunder. Er ist unerlässlich. wenn du ohne Streichholz oder Feuerzeug auskommen musst.

Holzstaub. durch Holzbohrende Insekten erzeugt. ist gut als Zunder geeignet.

Du findest ihn manchmal unter abgestorbenen Bäumen.

Man kann auch sehr trockenes. zerriebenes Gras als Zunder verwenden, oder zerrupftes Seil oder Bindfaden, Fäden aus der Kleidung oder aus Verbandmull, Flusen aus Taschen (in Manteltaschen findet man oft erstaunlich viel), Vogelnester und Vogelfedern.

Mit verkohlter Baumwolle (Lunte) kann man am besten auch kleine Funken zu einer Flamme anfachen. Baumwollkohle fliegt allerdings leicht weg. Sie muss darum in einem Behälter aufbewahrt werden.

 
 
 
 

Anfeuerholz - Ohne Zunder kann man notfalls auskommen. aber nicht ohne Kleinholz. Besonders eignen sich ganz dünne. abgestorbene Zweige. Sammle sie, sooft sich Gelegenheit bietet! Das beste und trockenste Holz findet man .eher an Bäumen und Büschen als am Boden. Auch trockenes Gras, in Streifen geschnittene trockene Baumrinde, Fotos oder aus einem Buch herausgerissene und zerknüllte Seiten leisten gute Dienste.

Mit einem Messer oder einer Rasierklinge kann man sich Stöckchen zum Anfeuern selber herstellen. Es lohnt sich unbedingt, drei oder vier solcher "Lockenstöckchen" vorzubereiten, wenn man im Regen Feuer machen muss. Aber auch wenn es nicht regnet, sind sie gut zu gebrauchen.

Schneide die Stöckchen ein, wie auf der Abbildung gezeigt. Wenn nötig, schneide erst die feuchten, äußeren Schichten des toten Zweiges herunter, bis das trockene Innere zum Vorschein kommt.

Wenn es regnet und du keinen auch noch so primitiven Unterstand hast, versuche unbedingt, deine Feuerstöckchen vor der Nässe zu schützen, während du sie präparierst. Oft findet sich unter einem umgestürzten Baum ein trockener Platz. Wenn gar kein Schutz zu finden ist, beuge dich über die Stöckchen und schütze sie mit deinem eigenen Körper, oder schneide ein großes Stück Rinde von einem Baum und stelle damit einen behelfsmäßigen Schutz her.

 

Das Anzünden

 

Sobald du weißt, wo du das Feuer anzünden willst, fege im Umkreis von einem Meter um die Feuerstelle den Boden frei.

Das ist bei trockenem Wetter im Wald besonders wichtig, wenn Blätter und Zweige am Boden leicht Feuer fangen können. Dabei kann es schnell zu einem Waldbrand kommen.

Richte einen Untergrund her, auf dem das Feuer brennen kann. Zünde es nicht direkt auf der Erde an, weil es wegen der Bodenfeuchtigkeit nicht so gut brennen würde. Besonders bei nassem Boden und im Schnee ist eine gute Unterlage wichtig. Sie lässt sich, selbst im tiefen Schnee, durch nebeneinander gelegte, dicke Äste herstellen.

Sammle reichlich Feuerholz, bevor du das Feuer anzündest! Suche nach Möglichkeit verschieden dicke Hölzer, vom fingerdicken Stock bis zum dicken Klotz. Hölzer, die zu lang sind, um so wie sie sind, ins Feuer gelegt zu werden, kannst du zerbrechen, indem du sie an einem Ende fasst und sie kräftig auf einen harten Gegenstand schlägst, z. B. auf einen Baumstamm, einen großen Stein, oder auf die harte Erde. Wenn du ein Messer hast, kannst du das Holz vorher auf zwei Seiten einschneiden, damit es leichter bricht.

Auf diese Weise kann man lange Stämme schnell in handliche Stücke zerteilen.

Ein dicker Stamm kann auch in kleinere Teile zerlegt werden, indem man in der Mitte Feuer legt.

 

Liegt das Material bereit, kannst du mit dem Feuermachen beginnen.

Nimm ein Bündel trockene, dünne Hölzchen in die Hand und schiebe in das eine Ende noch Zunder hinein, wenn du welchen hast. Wenn du die selbst vorbereiteten Feuerstöckchen verwendest, halte sie an dem Ende, das den Löckchen entgegengesetzt ist. Die Flamme wandert an den Löckchen am Stock herauf. Zwischen die Löckchen kannst du noch Zunder stecken.

Entzünde das eine Ende des Bündels mit dem Streichholz und drehe es hin und her, bis die Flamme gut gefasst hat.

 

Lege nun das brennende Bündel auf den Feuerplatz und füge vorsichtig Anfeuerholz hinzu, indem du die Hölzer kegelförmig schräg gegeneinander lehnst.

Lege nach und nach immer mehr auf, bis du sicher bist. dass das Feuer nicht weiter "angefüttert" werden muss.

Ist es erst einmal richtig in Gang, kannst du später auch feuchtes oder nasses Brennmaterial verwenden. wenn die Flammen kräftig genug sind.

 

Zündmaterial

 

Streichhölzer. Trockene Streichhölzer in einem wasserdichten Behälter gehören gewiss zu den wichtigsten Teilen deiner Ausrüstung. Sehr wahrscheinlich ist dein Vorrat begrenzt. Um ihn optimal auszunutzen, gibt es einen nützlichen Trick, ihn zu verdoppeln: du kannst die

Streichhölzer spalten. Denke jedoch daran, dass gespaltene Streichhölzer mit nur einem halben Kopf bei Wind viel schwerer anzuzünden sind als ganze

Hast du aus einem Streichholz zwei gemacht, kannst du sie natürlich nicht mehr "normal'" anreißen, weil sie zu dünn sind.

Ein gespaltenes Streichholz muss man so anzünden, dass es nicht zerbricht.

Fasse das Streichholz mit Daumen und Mittelfinger etwa 1 cm unterhalb des Kopfes und drücke mit dem Zeigefinger auf den Streichholzkopf.

Ziehe es auf der Reibfläche entlang, wobei du mit dem Zeigefinger leichten Druck ausübst. Sobald das Streichholz aufflammt, musst du ihn natürlich schnell wegziehen!

 

Feuerstein und Stahl. Feuerstein kannst du immer dann zum Feuermachen verwenden, wenn auch Stahl in irgendeiner Form zur Hand ist. Feuerstein ist dunkelblaugrau und in Gegenden mit Kalkformationen zu finden. Wenn du z. B. mit einem Messerrücken kräftig auf einen Feuerstein schlägst, kannst du Funken erzeugen. Für diese Art des Feuermachens brauchst du Zunder. Am besten eignet sich dazu verkohlte Baumwolle, auf die die Funken geschlagen werden. Selbst wenn du noch Streichhölzer hast, lohnt es sich, Zunder herzurichten, wenn Feuerstein und Stahl zur Verfügung stehen.

Dazu kann man ein kleines Stück Baumwolle auf einer Metallunterlage erhitzen, oder es auf einem heißen Stein verkohlen lassen. Hebe diesen Zunder sorgfältig auf, in den du dann auch die Funken schlagen kannst. Auch trockene Flechten von Baumstämmen und vertrocknete Pilze (Boviste) sind sehr gut als Zunder geeignet.

Fällt ein genügend großer Funke auf den Zunder, beginnt er zu glimmen. Blase nun sanft auf diese erste Glut und lege den glimmenden Zunder auf ein größeres Zunderbällchen, z. B. auf Holzstaub, Taschenflaum, getrocknete Vogelnester oder Vogelfedern, trockenes Gras, Baumrinde, Papier u. ä.

Schütze diesen Zunder sorgfältig mit der hohlen Hand vor Zugluft und blase vorsichtig hinein, bis ein Flämmchen aufzüngelt. Lege dann den brennenden Zunder zu dem vorbereiteten Brennmaterial auf die Feuerstelle, oder entzünde damit ein Bündel Anfeuerholz.

 

Pyrit und Quarz. Durch Aneinanderschlagen von zwei Stücken Pyrit (Eisenkies) erzielt man ebenfalls Funken, mit denen man einen vorbereiteten Zunder zum Glimmen bringen kann. Schaue dir Pyrit in der mineralogischen Abteilung eines Museums an, damit du weißt, wie er aussieht. Man erhält auch Funken, wenn man Stahl auf Pyrit schlägt.

Aus Quarzkieseln kann man ebenfalls Funken schlagen. Es geht aber nicht so einfach wie mit Pyriten.

Kaliumpermanganat und Zucker. Vielleicht reicht das Kaliumpermanganat in deinem Notpäckchen oder in einem Verbandskasten zum Feuermachen. Ein wenig Zucker brauchst du allerdings auch dazu. Die Methode ist sehr einfach, alles Material muss jedoch völlig trocken sein. (Und noch einmal: Trage erst genug Feuermaterial zusammen, und beginne dann mit dem Feuermachen!) Mische ungefähr einen halben Teelöffel Kaliumpermanganat mit einem Teelöffel Zucker und fülle die Mischung vorsichtig in eine Vertiefung in einem Stück Holz. Wenn nötig, kratze die Vertiefung mit einem Messer oder einem spitzen Stein.

Mit dem stumpfen Ende eines ungefähr 1 cm dicken Stabes, der 25 bis 30 cm lang sein soll, musst du nun durch Reibung so viel Hitze erzeugen, dass sich die Mischung entzündet. Dazu steckst du das stumpfe Ende des Stabes in die Mischung und rollst ihn kräftig zwischen deinen Handflächen hin und her.

Das so erzeugte Flämmchen ist nicht sehr kräftig, aber es reicht, um Glut zu erzeugen, die man auf ein Häufchen Zunder legt und dann sanft durch Blasen anfacht.

Vergrößerungsglas. Werden Sonnenstrahlen durch ein Vergrößerungsglas auf einen Punkt konzentriert, kann man mit der entstehenden Hitze z. B. ein Papier anzünden. Folgende Linsen sind geeignet:

Brillengläser, aber nur von Brillen für Weitsichtige.

Nimm die Linsen heraus und lege sie übereinander.

Ferngläser und Feldstecher. Entferne die Linsen, indem du die Verschraubung an beiden Enden löst.

Feldstecher. Schraube die Linsen heraus.

Kamera. Wenn du die Linse nicht herausnehmen kannst, öffne die Kamera an der Rückseite, stelle die größte Blende und die Belichtung auf "Zeit" ein. Dadurch bleibt die Blende offen, solange du auf den Auslöser drückst. Mit der Linse kannst du dann die Sonnenstrahlen bündeln und auf den Zunder richten.

Zum Feueranzünden mit einer Linse ist Zunder unerlässlich. Eine Zunderrolle stellt man her, indem man einen Streifen Baumwollstoff oder auch einen Verband zu einer Art Trichter rollt, in den das gebündelte Sonnenlicht gelenkt wird.

Verschieden Feuerstellen

 

Altarfeuer

(auf Schnee oder nassem Untergrund)

Einfaches Kochfeuer

(Wenig Material, leicht zu kontrollieren)

Feuer auf Steinunterlage

(maximale Wärmeausbeute)

Reflektor Feuer

(Viel Wärme bei sehr kleinem Feuer)

Trocken Feuer

(zum trocknen von nassem und grünem Holz)

Allzweck Koch- & Wärmefeuer

(Beste und wirkungsvollste Art)

Sternfeuer

(Stämme werden in der Mitte zusammen geschoben.

Gut um dabei zu schlafen)

aus "Leben wie Robinson" Schneider Verlag

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