Pfadfinder Geschichte

 

 
 

Die Geschichte der Pfadfinder beginnt am 1. August 1907 auf der englischen Kanalinsel Brownsea. Hierher lud der englische General Robert Baden-Powell 22 Jungen aus allen sozialen Schichten ein, um sein neues Konzept zur Jugenderziehung zu erproben. 1899 hatte Baden-Powell, damals in Afrika stationiert, das Buch "Aids to Scouting" (Anleitung zum Kundschafterdienst) herausgebracht. Nach seiner Rückkehr nach England 1903 stellte er erstaunt fest, dass überall sein Buch verwendet wurde, um "Kundschafter" zu spielen. Aus diesem Spiel entwickelte Baden-Powell sein neues Konzept zur Jugenderziehung.

 
     
 

"Pfadfindermethode" nannte Baden-Powell dieses Konzept - auch heute noch wird diese Methode von allen Pfadfinderverbänden angewandt. Die vier Elemente sind das Pfadfindergesetz und Pfadfinderversprechen, das "Learning by Doing"-Prinzip, die Bildung kleiner Gruppen und fortschreitende und attraktive Programme verschiedenster Aktivitäten. Ziel dieser Methode ist es, die Kinder und Jugendlichen zur Selbständigkeit zu erziehen, ihnen schon frühzeitig Verantwortung (etwa für eine Gruppe) zu übertragen, ihr Selbstvertrauen, ihre Zuverlässigkeit und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu fördern. Im Alltag der Gruppen schließt das Dinge ein wie gesellschaftliches Engagement, Zeltlager, regelmäßige Gruppenstunden in festen Gruppen, das Lernen von Pfadfindertechniken und noch vieles mehr.

 
     
 

1908 brachte Baden-Powell eine für Jugendliche überarbeitete Version seines Buches "Aids to Scouting" heraus, Titel: "Scouting for Boys". Und seine Ideen kamen an. Bereits vor dem ersten Weltkrieg gab es auf allen Kontinenten außer der Antarktis Pfadfindergruppen. Die Pfadfinderbewegung konnte sich auch deswegen so rasch ausbreiten, weil etwa zur gleichen Zeit die Jugend als eigenständige Lebensphase entdeckt wurde und verschiedene Konzepte zum Umgang mit dieser Altersstufe entstanden. In Deutschland zum Beispiel entstanden parallel zur Pfadfinderbewegung der Christliche Verein Junger Menschen, die Wandervogel- oder Arbeiterjugendbewegung.

 
     
 

Ihrem Selbstverständnis nach beziehen sich Pfadfinder in Deutschland einerseits auf die Pfadfinderbewegung, die von Robert Baden-Powell ins Leben gerufen wurde, andererseits auf die Wandervogelbewegung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entflohen junge Menschen dem Stadtleben. In der einfachen Kleidung, der Musik und den Ausflüge manifestierte sich auch der Protest gegen die bürgerliche Kultur der Elterngeneration. Erst nach dem Ersten Weltkrieg verschmolzen Pfadfinderbewegung und Wandervogelbewegung zur "Bündischen Jugend", die ab 1933 gleichgeschaltet wurde.

 
     
 

Weltweit gehören inzwischen mehr als 38 Millionen Kinder und Jugendliche aus 216 Ländern zur Pfadfinderbewegung. Laut der World Organization of the Scout Movement (WOSM) existieren nur in sechs Ländern keine Pfadfinderverbände: Kuba, Andorra, Nordkorea, Laos, Myanmar und China, mit Ausnahmen Hongkongs und Macaos. In Deutschland wurden die Pfadfinderverbände während des Dritten Reiches aufgelöst, doch bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges gründeten sie sich neu. Nach dem Fall der Mauer entstanden auch in Ostdeutschland Pfadfinderverbände, wenn auch nicht so viele wie in Westdeutschland. Zu Zeiten der DDR waren sie dort verboten. Heute gibt es in Deutschland etwa 260.000 Pfadfinder.

 
     
 

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